"Von guten Mächten treu und stil umgeben..."
Man kann ja zu Kirche, Glauben und Religion - die übrigens drei Paar Schuhe sind und z.T. vollkommen ohne die anderen existieren können - stehen, wie man will, Dietrich Bonhoeffer verdient jedoch von jedem von uns Bewunderung.
Nicht nur durch seine theologischen Erkenntnisse machte er sich einen Namen, nein, viel mehr nahm er aktiv am Kampf gegen das NS-Regime teil. Er bewies Mut, den die meisten Menschen nicht besaßen oder besitzen konnten. Dass will ich nicht moralisierend verurteilen, sondern im Gegenteil seine Leistung hervorheben.
Als er schon längst inhaftiert war, schrieb er seiner Familie zu Weihnachten 1944 ein Gedicht (besonders als Gruß an seine Mutter zu ihrem 70.Geburtstag und an seine Verlobte Maria von Wedemeyer), das später in vertonter Form Einzug in den Gottesdienst gefunden hat, Einzug in das Herz von Menschen, die einen Anker in schwierigen Situationen suchen, und ihn hier finden:
Von guten Mächten treu und still umgeben,
Zudem schrieb er in seiner Zelle des KZ ein Gedicht mit dem Titel "Wer bin ich?" - Eine Reflexion Bonhoeffers: Er sieht, wie er von anderen wahrgenommen wird (Fremdwahrnehmung), merkt zugleich jedoch, wie sehr sich das von seinem eigenen Bild, das sehr viel verzweifelter ist (Selbstwahrnehmung), unterscheidet. "Wer bin ich (nun)?", fragt Bonhoeffer kurz vor seinem Tode zurecht. Diese einfach formulierte Frage quält uns alle gerne. Wie wenig deckt sich doch oft Fremd- und Selbstwahrnehmung! Welche ist nun aber die "Richtige"? Nun, Bonhoeffer hat uns darauf keine Antwort gegeben - gäbe es denn eine? Sicherlich nicht! - sondern beschließt sein Gedicht mit folgenden, drei Sätzen:
"Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!"
Wahnsinn, in dieser Situation noch eine solche Gottesbejahung, eine Hinwendung zu Gott, selbst oder gerade wegen dieser Aussichtslosigkeit.
Das verleihe Gott uns allen...!